Dem Körper helfen, sich selbst zu heilen

WALA Newsletter
Mai 2012

Dem Körper helfen, sich selbst zu heilen

Die Anthroposophische Medizin ist eine integrative Medizin, die sich aus zwei Quellen speist:

  • 1. aus der naturwissenschaftlichen Schulmedizin mit ihren Methoden und Ergebnissen
  • 2. aus geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen über Körper, Geist und Seele.

Der Umgang mit Krankheit

Die Anthroposophie sieht in der Krankheit die Gelegenheit, ein gestörtes Gleichgewicht von Körper und Seele wieder ins Lot zu bringen. Sie versucht, mithilfe von Arzneimitteln und Therapien die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und so den Menschen anzuregen, wieder in sein Gleichgewicht zu finden. Anthroposophische Ärzte achten dabei besonders darauf, welcher Anregungen der individuelle Organismus bedarf, um gesund zu werden. Bei der medikamentösen Therapie steht dabei stets der Grundsatz im Vordergrund: so wenig wie möglich und nur so lange wie nötig.

Ein Besuch beim anthroposophischen Arzt

Anthroposophische Ärzte betrachten den Menschen von Kopf bis Fuß. Dabei achten sie auf individuelle Charakteristika des Patienten wie Körpersprache und Mimik.

Sie fühlen, ob Haut und Gliedmaßen warm oder kalt sind, feucht oder trocken, sie tasten und horchen den Körper ab. Sie hören zu, wie der Patient selbst sein Befinden und seine seelische Stimmungslage einschätzt, wie stark sein Lebenswille ist – sowohl aktuell als auch im Rahmen seiner Biografie.

Die medikamentöse Behandlung, die der Arzt verschreibt, beruht zum einen auf der Gabe von anthroposophischen Arzneimitteln auf natürlicher Basis. Es werden Mittel gegeben, die sich an den individuellen Besonderheiten des Patienten orientieren. Dabei handelt es sich um Medikamente, die die Eigenaktivität des Organismus, seine Selbstheilungskräfte, anregen. So können beispielsweise Bitterstoffe aus der Wurzel des Gelben Enzians oder der Wegwarte die Abgabe von Verdauungssäften fördern und die Magen-Darm-Bewegungen anregen. Ätherische Öle aus Lippenblütlergewächsen wie Rosmarin und Lavendel können mit der ihnen eigenen Wärme die Durchblutung fördern und Verspannungen lösen.

Welche Mittel der Arzt wählt, richtet sich nach folgenden Faktoren:

  • Art und Verlauf der Erkrankung,
  • Symptome,
  • Beschwerden,
  • Krankheitsdauer,
  • Kräftezustand,
  • Alter,

vor allem aber auch nach der inneren und äußeren Aktivität des Patienten.

Neben einer medikamentösen Behandlung kann sich der Arzt zusätzlich für eine begleitende Therapie entscheiden. Ihr Vorteil: Der Patient arbeitet aktiv an seiner Krankheit. Dem Arzt stehen dafür eine Reihe von künstlerischen Anwendungen zur Verfügung:

  • Heileurythmie
  • Sprachgestaltung
  • therapeutisches Malen und Plastizieren
  • Gesprächstherapie
  • und vieles mehr

Abgrenzung gegenüber der konventionellen Medizin

Anthroposophische Medizin unterscheidet sich von konventioneller Medizin vor allem dadurch, dass sie nicht nur die Krankheit im Menschen sieht, sondern insbesondere den Menschen in seiner Krankheit. Sie will zusätzlich Gesichtspunkte mit einbeziehen, die Leben, Seele und Geist des Menschen prägen und körperlich wahrnehmbar sind. Die diagnostischen Maßnahmen und die damit erhobenen Befunde können zwar identisch mit denen der konventionellen Medizin sein, ihre ganzheitliche Interpretation kann aber zu ergänzenden Behandlungsempfehlungen führen.

Weitere Informationen zum Thema Anthroposophische Medizin: www.damid.de und www.walaarzneimittel.de/anthro/


Häufige Fragen zur anthroposophischen Medizin:

  • Sind anthroposophische Ärzte richtige Ärzte?
    Ja. Jeder anthroposophische Arzt durchläuft eine ganz traditionelle schulmedizinische Ausbildung: Er absolviert ein Medizinstudium, erhält von der Ärztekammer seine Approbation als Arzt und macht eine Facharztweiterbildung. Darauf aufbauend schließt sich eine mindestens dreijährige Aus- und Weiterbildung in den spezifischen Schwerpunkten Anthroposophischer Medizin an. Die praktische Erfahrung erwerben sie durch Mitarbeit in Praxen von anthroposophischen Kollegen oder in der eigenen Praxis unter Beteiligung von Mentoren.
  • Lehnen anthroposophische Ärzte die Schulmedizin ab?
    Keinesfalls: Die Anthroposophische Medizin steht auf der naturwissenschaftlichen Basis der konventionellen Medizin, geht dann aber noch einen ergänzenden Schritt weiter. Das heißt: Die Anthroposophische Medizin setzt alles ein, was die naturwissenschaftliche Forschung an nützlichen Erkenntnissen bereithält – von der Medizintechnik über Laborkontrollen bis hin zur Intensivmedizin. Darüber hinaus geht sie auf die Persönlichkeit des Menschen ein.
  • Homöopathie und anthroposophische Medizin – ist das nicht dasselbe?
    Teilweise bedienen sich beide zwar der gleichen Arzneimittel, dennoch unterscheiden sie sich in ihrer Wahl: Während die Homöopathie die Wechselwirkungen der Symptome betrachtet und Krankheiten durch Arzneimittel heilt, die dem Erkrankungsbild ähnlich sind (Simile-Prinzip), arbeitet die Anthroposophische Medizin Heilkräfte aus den Naturreichen (Mineral-, Pflanzen- und Tierreich) heraus, die bei der Genesung helfen.

Was heißt eigentlich …

  • … integrative Medizin?
    Integrative Medizin betrachtet alle Einflüsse und Zusammenhänge im Bereich der Gesundheit des Menschen. Ziel ist es, medizinische Fachrichtungen und Heilmethoden als Komponenten eines Gesamtkonzeptes zur Genesung zusammenzuführen.
  • … homöopathisch hergestellt?
    Homöopathische Arzneimittel werden stufenweise verdünnt (Potenzierung) und nach jeder Verdünnung verrieben oder verschüttelt. Erst dadurch wird die Kraft der Substanzen in vollem Maße freigesetzt.
  • … innere und äußere Aktivität?
    In der Anthroposophischen Medizin setzt sich der Mensch nicht nur mittels Medikamenten mit seiner Krankheit auseinander (äußerlich). Er soll auch auf einer seelischen und geistigen Ebene das Ungleichgewicht seines Körpers erkennen, verstehen und mithilfe einer anthroposophischen Therapie wieder ins Gleichgewicht zurückführen.
  Aus der Natur für den Menschen