WALA Pflanzenarchiv
Olivenbaum

Wissenswertes

Der wissenschaftliche Name Olea als auch die deutsche Bezeichnung Olive leiten sich von der altgriechischen Bezeichnung elaiva = Olivenfrucht ab. Die armenische Sprache enthält noch ältere Bezeichnungen der Olive: jet = Öl und dzet = Olive sind identisch mit den Wörtern aus dem Hamitischen (ägyptisch tet-t = Olive) und Ursemitischen zeitu = Öl, Olive, Ölbaum. Aus zeitu, machten die Araber zaitun und die Spanier aceite = Öl. Das Wort Öl war damit in früheren Zeiten gleichbedeutend mit Olivenöl.
Dass sich in Armenien die ältesten Bezeichnungen für den Ölbaum finden, passt zu der Überlieferung, dass Noah, der Stammvater der Hamiten, Semiten und Indogermanen, das Wissen um die Verwendung des Ölbaums bei seinen Wanderungen in den Kaukasus brachte.
Archäologische Funde von mehr als 9000 Jahre alten Olivenkernen bezeugen die lange gemeinsame Geschichte von Ölbaum und Mensch. In der Bibel spielt der Olivenbaum an vielen Stellen eine wichtige Rolle: Er ist Symbol des Friedens, des Wohlstandes und des bürgerlichen Glücks. Das Olivenöl war Brennöl und Salböl für Haare und Körper. Als Noah nach der Sintflut eine Taube auf Erkundung losschickte, kam sie mit einem Ölzweig im Schnabel zur Arche zurück. Bis heute hält sich dieses Bild in Form der Friedenstaube. Jesus begab sich am Fuße des Ölbergs im Garten Getsemani in den Olivenhain, um kurz vor seiner Kreuzigung mit Gott Zwiesprache zu halten. Besonders vom gelobten Land Kanaan, in etwa dem heutigen Syrien, berichtet die Bibel, es besäße Ölbaumhaine und Oliven im Überfluss. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass die Olive erstmals im syrischen Gebiet kultiviert wurde.
Der Sage nach stritt Athene - Göttin der Städte, des Krieges und der Weisheit - mit dem Meeresgott Poseidon um die Vorherrschaft über die Halbinsel Attika, auf der Athen liegt. Poseidon warf als Zeichen seiner Herrschaftsansprüche seinen Dreizack auf die Athener Akropolis, an der Stelle entsprang eine salzige Quelle. Athene pflanzte als Ausdruck ihres Anspruches neben die Quelle einen Ölbaum, den sie in der Gegend als nützliche Pflanze bekannt machte. Der entzürnte Poseidon forderte Athene zum Zweikampf heraus, die sich auch schon darauf einlassen wollte, wenn nicht ihr Vater Zeus eingegriffen hätte. Zeus verfügte, dass das göttliche Gericht über die Herrschaft entscheiden solle. Mit einer Stimme Mehrheit gewann Athene. Athenes Ölbaum, Urbaum aller Oliven, brannte bei einem Überfall der Perser ab, trieb aber wieder aus der Wurzel aus. In der Platonischen Akademie - der von Platon (427 v. Chr. bis 347 v. Chr.) gegründeten Philosophenschule in Athen - sollten die Abkömmlinge dieses Urbaums stehen: die der Göttin Athene geweihten heiligen Ölbäume. Ausgehend von diesem Mythos war es in zahlreichen griechischen Stadtstaaten gesetzlich verboten, Olivenbäume zu fällen. Ölzweige waren die höchste Auszeichnung und der höchste Preis bei den olympischen Spielen. Sie galten als Symbol des Friedens - eine Symbolik, die sich bis heute gehalten hat. So umrankt ein Ölbaumzweig die Weltkugel auf der Flagge der Uno, die bereits erwähnte Friedenstaube hält einen Ölzweig im Schnabel.
Frisch vom Baum gepflückte Oliven sind extrem bitter und deshalb ungenießbar. Damit sie zur nahrhaften Delikatesse werden, legt man sie traditionell in Wasser ein, das mehrmals gewechselt wird. Geritzte Oliven sind nach mehreren Wochen genießbar, ungeritzte nach etwa fünf Monaten. Anschließend in Öl oder Salzlake eingelegt sind Oliven ohne weitere Konservierungsstoffe sehr lange haltbar.
Allein im Mittelmeergebiet sind mehr als 1000 Olivensorten bekannt, deren Verbreitungsgebiet sich teilweise nur auf ein einzelnes Dorf beschränkt. Früchte und Öl der Sorten schmecken unterschiedlich, sodass es eine kaum überschaubare Zahl verschiedener Olivenölsorten gibt.
Im Handel verkaufte schwarze Oliven sind oftmals mit Eisenglukonat eingefärbte grüne Oliven.

  Aus der Natur für den Menschen