
Der Gattungsname Mesembryanthemum leitet sich von Mesembria (gr.) = Mittag und anthemon (gr.) = Blüte ab. Sowohl der Gattungsname als die deutsche Bezeichnung Mittagsblume beschreiben die Blüten, die sich nur bei starker Sonneneinstrahlung öffnen, also meistens mittags. Der Familiennamen „Aizoazeae“, von griechischen Wort „aizoon“ = ewig lebend, bezeichnet die Robustheit unserer Pflanze.
Wir sind noch Antwort schuldig, wie es die Mittagsblume schafft, mit solch großer Hitze zurecht zu kommen. Dazu hält sie tagsüber die Luft an. Normalerweise nehmen Pflanzen am Tag Kohlendioxid auf, um es mithilfe von Sonnenlicht in Zucker und Sauerstoff umzuwandeln. Die Pflanze atmet durch Öffnungen auf der Blattunterseite, durch die sie allerdings auch Wasser verliert. Die Mittagsblume verschließt deshalb tagsüber diese so genannten Spaltöffnungen und atmet erst nach Sonnenuntergang. Das aufgenommene Kohlendioxid bindet sie an ein Molekül, das sie am nächsten Morgen via Photosynthese zu Zucker und Sauerstoff weiterverarbeitet.
Das ist aber noch nicht alles. Die Mittagsblume hat die zuerst nicht zu verstehende Eigenart, Salz in sich zu sammeln. Jede normale Pflanze stirbt, wenn sie mit zu viel Salz in Berührung kommt. Wir kennen das nach kalten Wintern, wenn das Streusalz die Vegetation geschädigt hat. Die Mittagsblume holt sich stattdessen in Küstennähe sogar Salz aus der Luft, wenn der Boden nicht salzhaltig ist. Was macht sie damit? Der Salzgehalt löst in der Pflanze die Produktion von Fruchtsäuren aus. Und diese ergeben wiederum zusammen mit Zuckeralkoholen, reichlich vorhandenem Magnesium und der Aminosäure Prolin einen natürlichen Feuchthaltefaktor. Diese Inhaltsstoffe unserer Pflanze ziehen also die wenige Feuchtigkeit der Umgebung geradezu an und binden sie. Besonders eindrücklich lässt sich dies an abgeschnittenen Zweigen beobachten. Erst nach vielen Wochen trocknen sie aus!
Die rote Blattfärbung ergänzt den Hitzeschutz. Die Farbe stammt von so genannten Betacyanen, Substanzen, die Licht absorbieren und damit einen natürlichen Sonnenschutz verleihen.
Wegen ihres hohen Salzgehaltes hinterlässt die Mittagsblume versalzte Erde, wo immer sie wächst. Weil damit der Boden für andere Pflanzen unfruchtbar ist, wird sie heute, im Gegensatz zu früher, kaum mehr als Erosionsschutz angepflanzt.
Die Blätter der Mittagsblume ergeben ein spinatartiges Gemüse. Südafrikaner kauen die fermentierten Blätter.
Auf den Kanarischen Inseln wurde die Mittagsblume früher zur Gewinnung von Soda (Natriumcarbonat) genutzt, das reichlich in der Asche zu finden ist. Daher rührt auch ihr Name Sodapflanze.
Übrigens verdanken wir einer Krankenschwester das Wissen über die Heilkraft der Mittagsblume bei Juckreiz, Schmerz, Schwellung und Rötung der Haut. Als jene Waltraud Marschke am anthroposophischen Therapeutikum auf der kanarischen Insel Lanzarote tätig war, fiel ihr die wundersame Pflanze auf. Nach vielen praktischen Erprobungen der Mittagsblume publizierte Schwester Waltraud 1998 ihr Wissen, das seitdem immer weitere Kreise zieht.