
Die Ureinwohner Südamerikas schätzten Maniok als wichtigstes Nahrungsmittel, von dem sie zahlreiche Sorten züchteten. In Nordostperu kennt man zum Beispiel mehr als hundert ungiftige Maniok-Sorten, die allerdings anfällig für Fressfeinde sind. Die Wildform ist indes nicht mehr bekannt, was auf die lange Geschichte des Manioks mit dem Menschen deutet.
Maniok ist in vielen Mythen Südamerikas erwähnt. In den Erzählungen der Shuar, Indianern im ecuadorianischen Amazonasgebiet, sorgt die Herrin der Nahrung, Núnkui, dafür, dass die Feldfrüchte üppig gedeihen. Um diese Erdgöttin anzurufen, singen die Frauen auf dem Feld Lieder für sie oder gehen nachts auf das Feld, um mit der nachtaktiven Núnkui Kontakt aufzunehmen. Niemand sonst darf nachts das Feld betreten, weil dann die Göttin in Zorn gerät und der Maniok den Menschen das Blut aussaugt. Die Frauen nutzen diesen Zorn wiederum als Schutz für ihr Haus, das traditionell von Feldern umgeben ist. Ein Einbrecher müsste in der Nacht diese Felder durchqueren.
Die Indianer Zentralbrasiliens sahen im Sternbild Orion ein großes Gestell, auf dem Maniok getrocknet wird.
Roh ist die Maniokwurzel wegen des Inhaltsstoffes Linamarin stark giftig und für Fressfeinde ungenießbar! Die Pflanze sammelt dieses cyanartige Glykosid in den so genannten Vakuolen, membranbegrenzten, blasenförmigen Speicherräumen in den Zellen. Wenn die Wurzeln und damit die Zellen verletzt werden, tritt Linamarin aus der Vakuole aus. Enzyme im Zellraum setzen es in zwei Schritten zur giftigen Blausäure um, die bei Genuss zu Bewegungsstörungen und Sehschwäche führen. Erhitzen verflüchtigt die Blausäure vollständig, die Wurzel wird essbar.
Für die Mehlgewinnung aus den Maniokwurzeln schälen die Ureinwohner Brasiliens traditionell die Knollen, zerreiben und stampfen sie und weichen sie anschließend ein, um das giftige Linamarin auszuwaschen. Nach mehreren Tagen füllen sie die Masse in ein so genanntes Tipití, ein konisches Gefäß aus Palmblättern, das unten offen ist. Das Wasser fließt durch die Öffnung ab, zurück bleibt die entwässerte und entgiftete Wurzelmasse, die in der Sonne oder in Öfen fertig getrocknet wird. Das dabei entstehende Maniokmehl vertragen gerade Menschen mit einer Allergie gegen Weizen oder andere Getreide sehr gut.
Maniok kann wegen seines geringen Eiweißgehalts zu Mangelernährung führen, wenn er nicht durch proteinreiche Nahrung ergänzt wird. Brasilianer essen die eiweißreichen Maniokblätter zur Knolle, um einem Mangel vorzubeugen.
Erstaunlich ist die Entdeckung, dass Völker in Malariagebieten den Maniok weniger sorgfältig auswaschen, sodass giftiges Linamarin im Mehl zurückbleibt und sich Cyanide im Blut der Konsumenten ansammeln. Cyanide hemmen den Sauerstofftransport im Blut und zahlreiche Enzyme der Atmungskette. Zusammen mit dem Eiweißmangel, der durch einseitige Maniokernährung entsteht, wird die Entwicklung von Malariaplasmodien im Blut gehemmt.
Maniokmehl spielte eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung der Portugiesen in Brasilien. Nur mithilfe des lang haltbaren Mehls waren die langen Expeditionen ins das Landesinnere möglich.
Von Südamerika über Portugal gelang Maniok nach Afrika, wo die stärkehaltige Knolle heute das Grundnahrungsmittel von 500 Millionen Afrikanern ist. In den 1970ern bedrohte eine aus Südamerika eingeschleppte Schmierlaus die Maniokbestände Afrikas. Mithilfe von Wespen als natürliche Fraßfeinde konnte ein vom Schweizer Wissenschaftler Rudolf Herren geleitetes Forschungsteam die Laus erfolgreich bekämpfen und damit Hungerkatastrophen verhindern.