WALA Pflanzenarchiv
Löwenzahn

Wissenswertes

Die Bedeutung des wissenschaftlichen Namens Taraxacum ist bis heute ungeklärt. Wahrscheinlich stammt das Wort aus dem arabischen Raum, wo der Löwenzahn bereits im 10. und 11. Jahrhundert schriftlich erwähnt wurde. Ein Erklärungsversuch leitet den Namen aus arabisch tarak = lassen und sahha = pissen ab, was die harntreibende Wirkung des Löwenzahns beschreiben würde. Der häufig bei Heilpflanzen zu findende Namenszusatz officinale vom französischen officine = Apotheke, Labor bezeichnet den medizinischen Einsatz der Pflanze. Als Heilpflanze fand der Löwenzahn erstmals nachweislich in der Renaissance bei dem Buchdrucker, Verleger und Buchhändler Johann Prüß (1447-1510) Erwähnung, eine ausführliche Beschreibung lieferte 1539 der Botaniker, Arzt und Prediger Hieronymus Bock (1498-1554) in seinem Hauptwerk „Das Kreütter Buch“. Darin beschreibt Bock neben den Heilwirkungen des Löwenzahns ein Schönheitswässerchen, das aus dem Kraut und der Wurzel des Löwenzahns hergestellt wurde. Die Frauen seiner Zeit verwendeten es gegen Sommersprossen und um die Haut zu klären. Der Milchsaft fand im Mittelalter Einsatz gegen Warzen und Augenentzündungen. Zusätzlich sollte ein Amulett mit sieben an Sankt Bartholomäus ausgegrabenen Löwenzahnwurzeln gegen Augenleiden schützen. Die chinesische Medizin setzt Augen und Leber in einen energetischen Zusammenhang, leberwirksame Heilpflanzen wie der Löwenzahn sollen deshalb gleichzeitig gegen Augenentzündungen helfen.

Die christliche Symbolik des Mittelalters sah im Löwenzahn und seinen sich weit verbreitenden Samen ein Gleichnis für die christliche Lehre und ihre Ausbreitung. Maria, Christus und Veronika sind auf vielen Gemälden zusammen mit dem Löwenzahn als Ausdruck der Vergänglichkeit dargestellt.

Mädchen orakelten früher mit den Pusteblumen: Sie pusteten kräftig die Samen weg. Die Anzahl der stehen gebliebenen Samen verriet ihnen, wie viele Jahre sie noch bis zu ihrer Hochzeit warten müssten. War der Blütenboden weiß, würden sie in den Himmel kommen, war er dunkel, erwartete sie die Hölle.

Löwenzahnblätter sind eine appetitanregende Zutat in Salaten und Käse. Die frischen Knospen lassen sich wie Kapern einlegen. Die getrocknete und gemahlene Wurzel ergibt einen Kaffeeersatz. Die Franzosen schätzen den Kulturlöwenzahn in der Küche. Er ist größer und weniger bitter als sein wilder Bruder.

  Aus der Natur für den Menschen