
Der Name Hypericum soll daher rühren, dass man durch die hellen Sekretbehälter der Blätter ein Bild sehen, also hindurchschauen kann (griechisch hyper = über, ericos = Bild).
Um das Johanniskraut ranken sich viele Legenden. Eine davon besagt, dass es aus dem Blut Johannes des Täufers hervorgegangen sein soll, nach einer anderen Version soll Johannes unter dem Kreuz Christi die vom Blut des Erlösers getränkte Pflanze gesammelt haben. Die daraus entstandene Namensgebung Johanniskraut wurde maßgeblich dadurch unterstützt, dass die Ärzte und dienenden Brüder des Johanniterordens, deren Namenspatron Johannes der Täufer ist, Hypericum schon zur Zeit der Kreuzzüge besonders gerne zur Wundbehandlung einsetzten.
In seiner Wut über die außerordentliche Heilkraft soll der Teufel mit einer Nadel über das Kraut hergefallen sein und es tausendmal durchlöchert haben. Für diese Legende sprechen die vielen schwarzen Punkte der Öldrüsen auf den Blättern die, hebt man sie gegen das Licht, wie Nadelstiche aussehen.
Den roten Saft, der beim Zerreiben der Blüten hervorquillt, deuteten man bei den germanischen Völkern als Blut des Sonnengottes Baldur, der sich immer zur Zeit der Sonnenwende der Erde opferte.
Das Johanniskraut gibt sich wie keine andere Pflanze der Sonne hin und gehört zu den magischen Pflanzenwesen der Sommersonnenwende. Wenn sie zu Johanni (24. Juni), drei Tage nach der Sonnenwende, in schönster Blüte steht und die volle Kraft der Sommersonne in sich trägt, soll sie am heilkräftigsten sein. Jetzt hat das Licht seinen Höhepunkt erreicht, und die Sonne hält Hoch-Zeit mit der Erde. Zu Ehren dieses Tages der Verbindung des Lichtes mit der Erde, des Geistes mit der Materie, feierten die Menschen seit Urzeiten große Feste. Dieser Tradition folgend kann man bis heute die Sonnwendfeuer in der Sonnenwendnacht leuchten sehen.
Wegen seiner Fähigkeit, Dämonen zu verjagen, wurde das Johanniskraut auch als "fuga daemonum" (Jageteufel) bezeichnet und an die Türen und Fenster der Häuser und Ställe gesteckt, um Gewitter und Behexung fernzuhalten.
Übrigens eignet sich ausgekochtes Johanniskraut auch zum Färben von Textilien, es entsteht dabei ein gelber bis gelbgrüner Farbton.