
Der Name "Holler" geht auf die alte Bezeichnung "hold" zurück, was soviel wie "gnädig" oder "treu" bedeutet. Eine andere Deutung des Wortes "Holdo" ist "Geist". Die "guoten Holden" sind also die guten Hausgeister, der "Unhold" dagegen der ungeliebte Geist.
Da der Legende nach der Holunder der Wohnsitz beschützender Hausgötter ist, pflanzte man ihn sich früher häufig in die Nähe seines Hauses oder der Stallungen. Wahrscheinlich war es die Ehrfurcht vor den in ihm hausenden Göttern, die zu der Meinung führte, dass dem Fäller eines Holunders der Tod sicher wäre. Wollte man Blätter oder Blüten pflücken, bat man den Strauch erst um Erlaubnis, damit man ihn nicht verärgerte und er dadurch seine Heilkraft verlor. In Schweden erzählt man sich, dass in der Mittsommernacht der Elfenkönig mitsamt seinem Hofstaat unter dem Holunderstrauch zu erspähen sei, der auch als Tor zur Unterwelt gesehen wird.
Die verschiedenen Länder benannte ihre Holundergeister ganz unterschiedlich. In Skandinavien sah man im Holunder die Göttin Hel, in der germanischen Mythologie die Göttin Freya. Auch Frau Holle gehört zu diesen Holundergeistern. Der Schnee, der auf die Erde fiel, wenn sie die Federkissen schüttelte, sollen weiße Holunderblüten gewesen sein.
Da Hel unter anderem als Totengöttin verehrt wurde, spielte der Holunder im Totenkult eine wichtige Rolle. So verwandte man das Holz des Holunders für Grabkreuze, Tote wurden auf Holunderreisig gebettet, und bei der Totenwache wurde Holundertee getrunken. In Tirol werden noch heute Holunderzweige auf Gräber gesteckt. Treiben die Zweige aus, gilt dies als Zeichen dafür, dass der Verstorbene wohlwollend ins Reich der Toten aufgenommen wurde.
Wen wundert es, das einem Baum, der so viele gute Geister beherbergen soll, große heilende Kräfte nachgesagt wurden? Dinge wie Kleidungsstücke oder Milchzähne wurden in seinem Schatten vergraben, um die Besitzer vor bösem Zauber und Krankheit zu schützen. Mit Zaubersprüchen wurde versucht, eine Krankheit in den Holunderstrauch überzuleiten. Oder man trug ein Stück Holunderholz an seinem Körper, um damit Krankheit von sich abzuwenden. Als gefährlich galt dagegen, eine Wiege mit Holunderzweigen zu zieren: Der Schmuck sollte ein Zeichen für die Elfen sein, dass sie das Kind mitnehmen können.
Diverse kulinarische Genüsse bergen sowohl Holunderblüten als auch -beeren. Ob Fliedersuppe und ausgebackene Holunderblüten im Frühjahr oder Holunderbeermarmelade und Holunderbeerpunsch im Herbst, diese meist selbstgemachten Delikatessen verschmäht wohl niemand. Weniger bekannt dürfte sein, dass sich aus den hohlen Stängeln des Holunders sehr einfach kleine Flöten bauen lassen.