WALA Pflanzenarchiv
Brennnessel

Wissenswertes

Ihrer allen bekannten Eigenschaft, auf der Haut zu brennen, hat die Brennnessel den deutschen und wissenschaftlichen Namen (Urtica = die Brennende) zu verdanken. Der Wortteil "Nessel", der von einem alten indogermanischen Wort nazza = nähen herrührt, zeugt hingegen von den Zeiten vor Einführung der Baumwolle, in denen aus Brennnessel-Fasern das Nesselgewebe hergestellt wurde. Von "nazza" leiten sich das niederländische Wort "netel" und das englische "nettle" für nähen ab. Die ersten Brennnesseltriebe im Frühjahr waren stets Bestandteil der "Neunkräutersuppe", durch deren Verzehr sich die heidnischen Bauern mit den Lebenskräften der erwachenden Natur verbanden. Die Kelten sahen in dem frischen Grün die Gestalt des Grünen Mannes. Als Gefährte der Erdgöttin machte er dem eisigen Winterkönig den Wald, die Wiese und das Feld strittig. Mit Hilfe der Brennnessel konnte die Winterschwäche und der üble Scharbock (Skorbut) vertrieben werden. In manchen Gegenden kennt man diese Suppe heute noch unter dem Begriff der "Gründonnerstagssuppe". Derartige "Blutreinigungskuren" waren bis zu unserem Jahrhundert üblich. Da die Brennnessel und andere Frühjahrskräuter Harn und Schweiß treiben, den Schleim in der Lunge lösen und den Stuhlgang fördern, wurden sie als geeignetes Mittel angesehen, um die Säfte wieder in Bewegung zu bringen. Der Volksname Donnernessel weist auf ihre Bedeutung in der Mythologie hin. Die Nesseln waren Symbol des Blitz- und Donnergottes Donar. Um den Blitzschlag abzuwehren, warfen die Menschen im Mittelalter einen Strauß mit Brennnesseln über das Dach ihrer Behausung und hofften, sie würden dem Blitz den Weg zu den Erdgeistern zeigen. Von den Brennnesselsamen als Aphrodisiakum wusste vor 2000 Jahren schon der griechische Dichter Ovid zu berichten. Zur Steigerung der Manneskraft wurde damals eine Mischung aus Pfeffer und Nesselsamen empfohlen. Als Unkraut folgt uns die Urtica (= die Brennende) überall hin und umstellt unsere Häuser in Scharen. So haben wir sie als Heilkraut immer ganz in unserer Nähe. Selbst nicht von auffallender Schönheit wird die Brennnessel von den schönsten Schmetterlingen umschwärmt. Die Raupen des Kleinen Fuchses, des Tagpfauenauges und des Admirals ernähren sich von ihren Blättern.

  Aus der Natur für den Menschen