
Der Gattungsname Mandragora setzt sich nach einigen Vermutungen aus dem griechischen mandra = Hütte, vermutlich Schäferhütte im Gebirge und agora = Versammlung zusammen. Offenbar wuchs die Pflanze oft in der Nähe von Hütten. Nach anderen Aussagen leitet sich der Name dieser bereits vor der griechischen Zeit gneutzten Pflanze aus dem persischen Mardum-giâ = Menschenkraut ab oder vom assyrischen Nam-Tar-Gir(a) = Männliche Pflanze des Gottes der Plagen. Der deutsche Name Alraune, altgermanisch Alruna, setzt sich aus Alb = Mahr, Faun und runen = leise sprechen, heimlich flüstern oder runa = Geheimnis zusammen und drückt bereits die ganze Sagenwelt aus, die sich um diese Pflanze rankt.
Die Alraune ist eine der altbewährtesten Heilpflanzen. Bereits das aus dem 16. Jahrhundert v.Chr. stammende ägyptische Papyrus Ebers, eine der ältesten bekannten Aufzeichnungen über Arzneimittel und Behandlungen verschiedener Krankheiten erwähnte sie als dja-dja. Sie ist zudem das sagenumwobene Hexenkraut schlechthin. Um keine Pflanze ranken sich so viele Legenden. Die Form der Wurzel gab dazu Anlass: Ihre Zweiteiligkeit erinnert stark an eine Menschengestalt, wobei man weibliche und männliche Wurzeln unterschied.Aus der Wurzel geschnitzte Firguren waren sorgfältig gepflegte Glücksbringer, die gegen bösen Zauber und Verwundungen schützen sollten und zu ihnen gelegte Geldmünzen verdoppelten. Die Alraunwurzel wurde in teure Stoffe gekleidet, in mit Samt und Seide ausgeschlagenen Kästchen aufbewahrt und jede Woche in Wein gebadet. Starb der Amulettbesitzer, vererbte er den Alraun an seinen Sohn, der dafür ein Stück Brot und ein geldstück in den Sarg des Vaters legen musste. Eine grosse Begehrlichkeit dieses Wurzelamulettes ab dem 16./17. Jahrhundert löste einen regen Handel mit Imitaten aus anderen Wurzeln aus. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts bot das berliner Kaufhaus Wertheim so genannte Glücksalraune an, die aus Wurzeln von Allermannsharnisch (Allium victorialis) geschnitzt waren.
Im Alten Testament ist die Alraune mit dem Namen Dudaim als empfängnisfördernde Pflanze erwähnt. Aphrodisierende Eigenschaftensprach das antike Griechenland der alraune zu. Es weihte die früchte die Liebesäpfel der Göttin Aphrodite, die den Beinamen Mandragoritis trug. Die Wurzel war Bestandteil von Liebestränken. Den Liebesapfel kannte auch der deutsche Kulturkreis. Dort hieß es, wenn eine Frau am St.-Agnes-Abend (21. Januar) einem Mann die Alraunenfrucht überreiche, verliebe er sich in die Überbringerin. Man sprach der Alraune zusätzlich potenzsteigernde Eigenschaften zu und setzte sie zur Geburtshilfe ein. Der arabische Kulturkreis empfand die angeblich von der Alraune geweckte Begierde als böse und bezeichnete deshalb ihre Früchte als Satansfrucht oder Teufelsäpfel.
Übrigens berichteten immer wieder Menschen, sie hätten ein Leuchten wahrgenommen, das von den Alraunenfrüchten ausgehe und erloschen wäre, sobald sie sich genähert hätten. Bis heute findet sich keine biologische Erklärung für diese Beobachtung, die wohl eher zu den Geschichten aus dem Reich der Alraunenlegenden gehört.