
Markus Giesder ist Gruppenleiter des Potenzierlabors der WALA. Da wahrscheinlich nur die wenigsten wissen, was „potenzieren“ nach homöopathischem Verfahren überhaupt bedeutet und wie es sich auf Arzneimittel auswirkt, haben wir bei ihm nachgefragt.
Bei der Herstellung einer Potenz wird ein Teil einer Urtinktur – beispielsweise aus Heilpflanzen – mit neun Teilen des Trägermediums (meistens Wasser) in einem Glaskolben verdünnt und zweieinhalb Minuten rhythmisch verschüttelt. Ich habe dann eine D1-Potenz hergestellt, wobei D für das lateinische Wort decem = zehn steht. Wenn ich ein Zehntel dieser D1-Potenz nehme und wieder mit neun Teilen Wasser verdünne und rhythmisch schüttele, habe ich eine D2-Potenz. Durch weiteres Verdünnen und Schütteln können immer höhere Potenzen hergestellt werden. In der WALA stellen wir Potenzen bis zur D60 her.
Die Herstellung homöopathischer Arzneimittel ist in Deutschland gesetzlich durch das Amtliche Deutsche Homöopathische Arzneibuch von 1978 (HAB) geregelt. Für die Herstellung von potenzierten Medikamenten gibt es verschiedene Methoden: Zum einen gibt es unterschiedliche Trägermedien. Am häufigsten verwenden wir hier in der WALA Wasser. Eine andere Art des Potenzierens wird bei Feststoffen wie Mineralien und Metallen angewandt. Da sich diese Feststoffe in Wasser nicht gleichmäßig verteilen, nehmen wir als Trägermedium Milchzucker. In einem Porzellanmörser verreiben wir einen Teil Feststoff mit neun Teilen Milchzucker eine Stunde lang. Diese Methode wird Trituration genannt.
Zum anderen unterscheiden wir zwischen Einzelmitteln und Kompositionen. Einzelsubstanzen stützen sich in der Arzneimittelkomposition gegenseitig und entfalten als Komposition eine bessere Wirkung, als wenn sie separat eingenommen werden. Zusammen bilden sie ein geschlossenes Ganzes, deshalb potenzieren wir so früh wie möglich die Einzelsubstanzen, die in einem bestimmten Arzneimittel enthalten sind, gemeinsam.
Die Form der Substanz, also auch einer Pflanze, ist sozusagen geronnene Kraft. Diese Kraft kann ich freisetzen, wenn ich die Form auflöse. Das heißt, je weiter ich die Form auflöse, umso mehr setze ich die Kraft frei und kann sie therapeutisch nutzen. Dabei ist die Freisetzung der Kraft unendlich steigerbar. Und genau das tun wir beim Potenzieren.
Nur ein kleines Beispiel für den Beginn dieses Prozesses: Lege ich ein Blatt einer Pflanze auf die Haut, entwickelt sich weniger Wirkung, als wenn ich einen aus dem Blatt gewonnenen Saft auftrage.